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Akademie für gesprochenes Wort - Uta-Kutter- Stiftung und Stuttgarter Stolpersteine Initiativen

Stuttgart - Bad Cannstatt - Daimlerstraße 44 - Else und Dr. Eugen Kauffmann

08.11.2026 6 min

Zusammenfassung & Show Notes

Im Auf dem Daimlerstraße 44  in Stuttgart - Degerloch lebten Else und Dr. Eugen Kauffmann. Hören Sie die Geschichte von Else und Dr. Eugen Kauffmann.

Gesprochen von  Orlando Schenk, Mitglied des Sprecherensembles der Akademie für gesprochenes Wort
Umsetzung und Produktion: Hannes Keller
Recherche und Text: Susanne Rues 


Bei der Produktion dieses Podcasts kam KI zum Einsatz. Die Transkription(wo verfügbar) wurde mit KI erstellt. Die Inhalte wurden gegebenenfalls vom Team der Akademie für Gesprochenes Wort mithilfe von KI hinsichtlich Hörbarkeit der Sprache, Orthographie und weiterer Aspekte überarbeitet.

Transkript

Eugen Kaufmann wurde am 18. Januar 1972 in Stuttgart als Sohn von Jakob Kaufmann und Linda, geborene Löwengart geboren. Sein Vater war Fabrikant mit einer Textilfabrik in Stuttgart zu von Hausen. Eugen Kaufmann war 23 Jahre alt, als er seine Approbation als Arzt erhielt. Er promovierte 1895 an der Universität Freiburg. 1896 studierte er französische Literatur an der Sorbonne in Paris. Von 1897 bis 1902 war er Assistenzarzt bei Professor Königsberger in Stuttgart. 1902 heiratete Eugen Kaufmann. Aus dieser ersten Ehe ging am 26. Mai 1904 sein Sohn Fritz hervor. 1905 ließ sich Eugen Kaufmann mit einer Privatklinik mit neun Betten als Facharzt für Augenheilkunde in der Karlstraße 44 in Karnstadt nieder. Die Praxis war täglich aus der Samstag geöffnet. Im Ersten Weltkrieg diente er als Oberstabsarzt, Frontkämpfer und Kommandant eines Lazarettzuges und einer Augenklinik in Odessa. Er wurde mit dem Eisen und Kreuz erster und zweiter Klasse ausgezeichnet. Im dritter Ehe war er mit der am 28. Juli 1886 in Stuttgart geborenen Elsa Neuburger verheiratet. Sein Sohn Fritz wohnte bis zu seiner Übersiedelung nach Australien 1927 bei ihm. Bis 1933 verdiente Eugen Kaufmann mit seiner Klinik sehr gut. Aufgrund der Boykottmaßnahmen wuchs ab 1933 der Druck auf die Patienten keine jüdischen Ärzten mehr aufzusuchen. Ein Freund Eugen Kaufmanns berichtete dem Bruder seiner Frau Elsa im August 1959 über die Folgen. Die beiden hätte sich nur noch das billigste Mittagessen leisten können und auf den Nachmittagskaffee verzichten müssen. Die Patienten seien in diesen Jahren kaum noch in seiner Praxis gesehen worden, so dass sein Einkommen auf einen kümmerlichen Betrag zusammengeschrumpft war. 1937 besuchte Fritz Kaufmann seiner Eltern in Stuttgart. Nach Kündigung seiner Praxisräume musste sein Vater 1937 die Klinik aufgeben und die Konsultationsräume in seiner Wohnung verlegen. Am 1. 1. 1938 wurde ihm die Kassenpraxis entzogen. Am 30. September 1938 erloschte seine Bestallung. Er wurde aus dem Württembergischen Arztregister gestrichen. Am 30. 4. 1939 musste das Erbar Kaufmann aus dem arischen Haus Karlstraße 44 in das jüdische Haus Weidachstraße 16 in Stuttgart-Begeloch umsiedeln. Fritz Kaufmann berichtete, dass sein Vater bis zum Ende davon überzeugt war. Er als alter Frontkämpfer mit vielen Orden und Ehrenzeichen werde nach Kriegsende wieder praktizieren dürfen. Eugen Kaufmann besaß eine große medizinische Fachbibliothek und eine ausgewählte Bibliothek allgemeiner Literatur. Er sprach acht Sprachen. Sein Hobby war der Erwerb wertvoller Erstauflagen. Seine Bibliothek wurde von den Nationalsozialisten eingezogen. Bei der Umsiedlung nach Oberdorf-Bopfingen und der Deportation nach Theresienstadt musste das Erbar Kaufmann seinen Besitz zurücklassen. Frau Anna-Maria Herz berichtete am 10. Juni 1952 über die Zwangsübersiedlung des Erbars Kaufmann. Im Jahre 1941 fand die Landumsiedlung des Erbares Kaufmann nach Oberdorf statt. Ich kann mich ganz genau daran entsinnen, dass das Erbar Kaufmann die gesamte Wohnungseinrichtung mit Ausnahme einige Kleinigkeiten, Kleider und so weiter, also Gegenstände, die sie zu ihrem täglichen Leben dringend benötigten, zurücklassen mussten. Die Wohnung wurde vermutlich von zwei Herren der Gestapo, die das Erbar Kaufmann abholten, versiegelt. Was mit dem Mobiliar danach geschehen ist, weiß ich nicht. Fritz Kaufmann berichtete, dass seine Eltern 1939 nach Shanghai emigrieren wollten, da dies der einzige Platz in der ganzen Welt war, wo ein Art sofort praktizieren konnte, ohne einen Examen ablegen zu müssen und von einer Behörde zugelassen zu werden. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte die Emigration des Erbares. Ab 19. September 1941 mussten die Kaufmanns den Judenstern tragen. Im selben Jahr wurde das Erbar nach Oberdorf Bobfingen zwangs umgesiedelt. Am 22. August 1942 erfolgte die Deputation nach Theresien statt, wo Eugen Kaufmann, 71-Jährig, am 3. August 1943 verstarb. Seine Frau Elsa wurde nach Auschwitz weiter deportiert, wo sie am 12. Oktober 1944 vertut erklärt wurde. Fritz Kaufmann überlebte den Krieg in China. 1950 übersiedelte er nach New York.

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